Ein Teil des Kurzschluss sein. Ein freifliegendes Online-Literaturprojekt von dragstripgirl.de. Zum Thema "Vergessen / Vergessen werden".
0: Ich weiß nicht
Keine Ahnung, was ich sagen soll. Was ich denken soll. Ich ertrage deine Blicke nicht, die mich traurig und panisch anschauen. Die sich in meine Blicke zu bohren versuchen, während ich die Flucht am Boden suche. Du willst Antworten auf Fragen, für deren Formulierung wir eine Ewigkeit gebraucht haben. Du tust es, weil dir nichts Besseres einfällt als zu blicken. Und ich weiß, du denkst auch, suchst nach Ausgängen, nach Auswegen. Willst deine Blicke abwenden und meinen Augenblick erträglich machen. Nur für eine kurze Weile, in dem Verweilen die denkbar schlechteste Idee zu sein scheint.
Unsere Rettung beginnt genau hier. Halt inne. Und sei tapfer, Baby. Für uns. Bitte.
Es tut weh, ist nüchtern, bitter und hart. Wir stehen vor den Scherben unseres Zusammenseins. Wir haben nicht mehr die Leichtigkeit von Kindern, die Sprunghaftigkeit von Pubertierenden oder den Aufgabemechanismus der Spätpubertät in den Anfängen der Zwanziger. Wir wollen uns.
Mehr weiß ich nicht. Nur dass es die einzige Grundlage ist, die derzeit von Substanz ist.
1: Wir treiben satt durch das Vergessen der Liebe
Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie man das macht: Weglaufen und neu beginnen. Ich war es gewohnt zu genießen und wenn es nicht mehr schön war mit jemand, habe ich gewartet bis es schlimm wurde, habe euphorische Anzeichen gezeigt, dass man was ändern kann. Habe keinen Gedanken daran verschwendet, was es bedeutet wirklich für eine Sache hart zu arbeiten. Habe nie die Furcht überwunden, dass für eine Sache zu kämpfen immer Erinnerungen in einer Beziehung hinterlassen wird. Ich war jung und voller Appetit. Wollte vor allem geliebt werden. Das Lieben kam nur zufällig vorbei. Auf einen Drink. Als die Liebe bezahlte und verschwand, verließ auch ich den Ort, an dem wir beide existierten und glücklich waren. Meine letzte Energie verpulverte ich stets im Zerbrechen von Vertrautheit. Unsere Grundlage. Unser Untergang.
Und heute? Und bei uns? Bei dir und mir?
„Kann nicht fort. Kann nicht weglaufen. Kann nicht aufgeben. Bleibe tapfer stehen und ertrage satt deine Blicke, deinen lauten Kampf. Für uns. Und meine Denkapparatur stemmt schwer und schnaufend mit Tränen in den Augen an dem Versuch uns einen Plan zu machen. Einen, mit dessen Erinnerungen wir wieder einander anblicken können. Ohne am Zweifel zu ersticken.“
2: Liebes Ist-so, du bist so grausam zu uns
Wir haben alles getan was in unserer Macht stand. Warum tust du mir das an, verdammtes Ist-so? Warum wir? Haben wir uns nicht immer Mühe gegeben, dem anderen zuzuhören, den anderen zu schätzen? Sie und ich. Wir sind auf unsere Art und Weise doch perfekt gewesen. Ehrlich und erwachsen. Warum diese Kinderkrankheiten? Wo ist der Fehler? Ich will wenigstens den Fehler verstehen, wenn ich ihn schon nicht alleine finden kann. Ich brauche deine Hilfe. Ich schaffe das sonst nicht. Und ich will es schaffen. Ich schwöre bei Gott, ich will es. Ohne Zwang. Hilf mir.
3: Wir rufen die Lust und warten auf Rettung und Echo
Ich wurde von den Umständen aufgezehrt. Und ich vergaß, dass es uns gibt. Obwohl du mehr als jeder andere für mich da warst. Dich zu verlieren, ist einfach keine Option im Hier und Jetzt. Und ich nage wirklich sehr daran, dass alles, was ich dir derzeit bieten und vorschlagen kann mit viel Geduld zu tun hat. Es nagt an mir, dass du es zwar verstehen wirst, aber damit nicht glücklich sein kannst. Ich kann es so nachvollziehen. Mein Kopf gibt sich noch mehr Mühe als mein Herz. Ich bin ein lauter Versuch, übermenschliche Kräfte für uns zu entwickeln. Ich stemme und du stehst neben mir und willst auch mutig hochheben. Aber deine Arme sind zu kurz. Deine Arme sind gestreckt. Das finde ich so schön, dass ich nur mit einem Lächeln meine Tränen verbergen kann. Wir lachen und warten und meine Knie zittern.
Einmal den Versuch zu starten etwas zu retten, auch wenn es schief geht, setzt den Willen nach Veränderung frei. Und irgendwie macht jene Erkenntnis das Leben verständlicher. Irgendwann verstehe ich es auch.
4: Vergib mir, Baby, dass es jetzt weh tun wird
Vergessen wir die Worte über Liebe. Lass es uns bitte vergessen. Lass uns unsere eigenen Regeln machen. Ich weiß wer du bist und das ist so verdammt viel wert, mann. Bring mich nach Hause. Nach vielen Wochen des Zuschauens versteht man die Dinge, die man beobachtet hat, einfach besser. Wenn man seine Sache richtig gemacht hat, dann ist man sogar soweit gekommen die Dinge hinter den Dingen zu verstehen.
Und nicht selten, ist das alles hinfällig, wenn man einfach nur klarer sehen kann. Klarer sehen reicht manchmal auch.
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to01, B+, Kleinod auf Odyssee und St. Burnster.
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„Was ist nur los mit dir“, denke ich mir fragend, während deine ausladende Geste mir weh tut. Ich bin bestürzt darüber, dass es dir immer noch nicht gelingt zu mir zu stehen, vor den anderen, zu denen du in diesen komischen Momenten viel eher gehören willst als zu mir.
Während du Speerspitzen abfeuerst, mir lachend durch die Haare wuselst, als wäre das alles nur ein Scherz, frage ich mich, ob du bemerkst, dass du jedes Mal mit kleinen Augenblicken, so kurz wie ein Atemzug oder Satz, unseren Point of no Return zu einem Wunsch verwandelst, den ich auch getrost alleine träumen kann, während ich mir das Alleinsein schön rede. Bremsen vor dem Klimax. Es ist meine Qual. Und dein „Egal“, Baby. In diesem Augenblick bleiben wir höhepunktlos. Und punktlos. Ich sehne.
Mir tut das weh, zu sehen, wie du nach der Anerkennung anderer lechzt, die niemals einen Gedanken daran verschwenden würden, in uns einen Sinn zu sehen.
Ich möchte jedes Mal schweigend ausrasten, wenn du mir beschwichtigend durch die Haare fährst, während ich vor den Menschen Demut erfahre, die du dir als Freunde wünscht. Ich möchte dir sagen, dass ich es bin, der sich Sinn zwischen dir und mir wünschst. Die Tatsache, dass das für dich eine peinliche Szene vor den anderen darstellen würden, liegt brach und ist kalt.
Ich sitze da und frage mich, wie das andere machen, die es schaffen glücklich zu sein ohne mit dem Partner im Vorfeld Kompromisse am Verhandlungstisch zu finden.
Du stehst auf, der Lärm in der Bar um uns herum ist laut und warm. „Ich geh mal pissen“, sagst du und gibst mir einen Kuss auf die Stirn. Ich fühle mich fremd.
„Können wir dann bitte gehen“, sage ich ihr flüsternd. Sie schüttelt wütend den Kopf während sie auf die Toilette geht. Ich bleibe sitzen, nehme einen Schluck von meinem Drink und warte bis es vorbei ist. Einfach vorbei.
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Kaltes Blut schießt durch deine Blutbahnen. Worte wie „unfrei“ und „verändert“ regnen auf meine müden Augen nieder. Je lauter du mich anschreist, desto leiser wird die Botschaft, die mir weh tun soll.
Ich bin nicht das, was du dir erhofft hast, sagst du. Der Stich sitzt und blutet. Ein goldener Käfig voller Unfreiheit. Meine vier Wände haben Gitter, denkst du. Du sagst es nicht. Deinen Blicken kann man den Mund nicht zuhalten. Lautlos stichst du wieder zu.
Du streifst an den Gittern, wie eine Raubkatze, die durchdreht. Fußspuren ordnen deine Richtung. Deine Explosion ist keine Frage des Zeitpunktes.
Diese Augenblicke, in denen einem weh getan wird, ohne dass jemand etwas sagt. Diese Augenblicke sind fleischgewordene Flüstergewalt. Unerträglich still. Laut wie Untergänge. Im Plural schläft die Zerstörung.
Obwohl ich bewusst die Balance deiner Naivität gehalten habe, ohne mich dabei aufzugeben, stichst du jetzt auf mich ein.
Wir nähern uns dem Gefrierpunkt. Ich verberge jede Träne, jeden Gedanken an die „Neins“, für die es früher keine Fragen gab.
Du sagst, es hätte keinen Sinn jemanden zu lieben, der nichts außer Liebe zu geben hat.
Irgendwie hast du recht. In dem Augenblick, als du das Wort Liebe, das ich nie benutzt habe, mit tiefen, kaputtmachenden, aufwühlenden, ertränkenden, zurückkatapultierenden, infernalen, kalten, tödlichen und einfrierenden Stichen übersäst, alles in mir durcheinander bringst, verliert sich das letzte bisschen „Uns“.
Ich habe gerade aufgegeben. Du bemerkst es nicht, während du mir ins Gesicht sagst, dass ich es nicht bemerke habe, wie ich aus ihr eine hohle Skulptur gemacht habe.
Mit Liebe. Ich verstehe es nicht. Und es dauert noch fünf Minuten, bevor ich dir ins Gesicht schlage und dich vor die Tür setze. Und dir damit das Gefühl zurückgebe, das dir anscheinend an mir gefehlt hat. Einmal ist keinmal. Das mit uns, ist für mich ab jetzt nie passiert. Niemals.
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Der Tortur zum Trotz, träumst du in deine Welt hinein.
„Die Gefahren von Traumwelten sind“, flüsterst du sagend wie fragend, „dass man in Etwas seinen Verstand verliert. Zumindest fühlt es sich so an.“
Meine Augen blinzeln deine Tage, Wochen und Jahre zurück. Erhaschen die Deckung, die du dir vor das Gesicht gezogen hast, wann immer dein Vater ausgeholt hat. Ich verschweige dir das, denn es sind deine Erinnerungen, die du mir eines Tages in den Hals geweint hast. Ich blinzle nur und bewundere die Tatsache, dass du all das ausblendest, all das Schlimme. Deine Argumente sind die Wege, die du panisch gerannt bist, als du Flucht und Mut in ein einsames Reziproke gestellt hast.
Ich sage zu dir: „Die Gefahren einer Traumwelt [und meine eigentlich: ‚deiner Traumwelt‘] sind nicht das Verstand verlieren, sondern das Romantisieren einer Welt, die nicht existiert.“
In diesem Augenblick, während ich ihr das sage, verliere ich meinen Verstand und bin zu stolz um glücklich zu lächeln.
„Einer Welt“, fahre ich schüchtern fort, „die dem Befriedigen von Ängsten und geheimsten Wünschen eine Tür offen hält.“
Ich blinzle. Deine Wochen verschwimmen in meinen Augen, ich höre dich schreien als kleines Kind. Ich höre ihn schreien, deinen Vater. Ich begreife. Und ich frage mich ob Tränen immer was mit Verstand verlieren zu tun haben. Geheime Pakte. Blicke und Gedanken als Unterschrift.
Trauer knebelt meine Stimme: „Gehen Ängste und geheime Wünsche durch diese Tür, bleiben sie doch da.“
Ich meine es so. Sie lacht, blickt woanders hin. Ich sehe ihr Kinn bibbern und ertrage das Schweigen meines Urteils darüber.
„Na und“, fragt sie und macht die Geste eines Ausrufezeichens. Ihre Blicke erinnern sich. Sie sieht meinen Hals an dem sie geweint, gebetet und gebeichtet hat.
„Und das nicht zu akzeptieren, ist das Problem einer permanenten Traumwelt“, durchbohre ich sie. Sie ist fragil und verloren wie ein fallendes Glas.
Zum ersten Mal verlieren wir uns im Anderen. Mein Blinzeln ruht, die Augen zu.
Sie schluchzt, ich halte sie. Kehre Scherben zusammen. Ignoriere das Detail. Dann ist sie weg, mein Stimme, und wir finden einen Weg. Und eine Tür.
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Die Addition meiner Gefühle ist ganz einfach, wenn du mir sagst, dass ich mir keine Sorgen machen soll, wenn du die Beine für einen anderen Mann breit machen willst, einfach nur, damit der Drang nach dem Fremden weg ist. Keine Sorgen. Sorge darüber, dass wir das teilen. Sorge darüber, dass die Grenzen zwischen „Du bist mir egal“ und „Ich bin dein, allein“ irreversibel verwischt werden. Sorge darüber, dass ich zweimal riechen muss, damit ich in Zukunft meine Unschuld immer wieder an dich verliere. Sorge darüber, dass es keine Unschuld mehr gibt zwischen uns. Was fühlst und denkst du, wenn du das Fremde kennen lernst? Das Fremde, das dich für mich zum Fremden macht. Das ist meine Addition und nicht meine Sorge. Es gibt keine Horizonterweiterung. Es gibt nur Gedanken um das eine: Wieso reicht dir mein Fleisch nicht, obwohl du schreist, wenn wir uns addieren und du meine Haut unter deinen Fingernägeln sammelst? Wieso reicht dir das fraktale Zeugnis meiner Schürfwunden nicht? Wieso reicht es dir nicht, wenn in Augenblicken des Fingernagelwetzens zwischen uns eine laute Stille herrscht, deren Geräuschlosigkeit die Wände beben, unser Jetzt erschüttern und unseren Nachbarn die Röte ins Gesicht steigen lassen? Nein, ich fühle keine Sorgen, ich denke keine Sorgen. Ich fürchte mich davor, dass du so selbstverständlich die Grenzen verwischst, in der Hoffnung deinen Horizont zu erweitern. Der Horizont, den wir Hand in Hand, Wort im Ohr und Fleisch im Bett zusammen erobert haben. Und ich fürchte mein unsicheres, falsch-verständnisvolles Lächeln, dass ich dir nickend entgegne, bevor du mir einen Kuss gibst, mein Gesicht streichelst, unseren Hausschlüssel nimmst und das Fremde besuchst. Und ich sitze und warte. Und rechne nach, ob in meiner oder ihrer Addition irgendwo ein Fehler unterlaufen ist. Ein Fehler, der sich nun nicht mehr von unserer Tafel wischen lässt. Keine Summe.
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Hast du es denn nicht satt, dass ich dich für deine unbekümmerte Leichtigkeit verachte und begehre und in jedem Wort deiner aufgesetzten Naivität, die Gründe deiner Traurigkeit erahne, aber nie zu greifen bekomme? Bist du es Leid, dass ich mit Wut zu dir spreche, deinen Orbit mit meinen Satelliten beschieße und hoffnungslos auf Rücksignale in meiner Welt warte? Macht es dir Bauchkribbeln, mich in dem Glauben zu lassen ich sei der reifere Mensch von uns beiden, obwohl ich Statist in deiner Welt bin und nicht umgekehrt? Stimmst du mir zu, wenn ich still an deinem Rücken liege und in trauriger, klebriger Scheiße versinke während ich mich frage, ob das, was ich dir zu geben versuche, überhaupt einen lebenden Adressaten in dir findet? Schweigst du, weil du weißt, dass unsere Berührungen lauter sind als all die Schreie, die in mir schlummern und nur mit brachialer Gewalt vor dem Halt machen, das sie zerstören wollen? Um es danach an sich zu nehmen. Und um dir zu zeigen, dass dahinter der Wille des Liebens auf seinen großen Auftritt wartet. Um dir Glück zu bescheren. Und all das, das du vor lauter Ignorieren nie erlernt hast. Mich zum Beispiel. Derjenige, der dich über das Wort seiner Gedanken stellt. Während er still an deinem Rücken liegt und nichts versteht. Und sich fragt, woher diese lodernde Wärme kommt. Und warum er dieser hoffnungslos verfallen ist. Ohne den Hoffnungsschimmer am Horizont zu sehen. Oder ein Signal aus deinem Orbit zu bekommen, egal wie sehr er sich beim Lauschen bemüht. Egal wie leise es sein möge. Oder kurz.
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